Das Konzept Partizipation

Ausgehend von dem anthroposophischen Menschenbild ergibt sich in unserer Einrichtung eine Sichtweise auf die kindliche Entwicklung, die Verwandlungsprozesse von körperlichen Funktionen in geistig – seelische Fähigkeiten hervorhebt und die Abfolge aufeinander aufbauender Entwicklungsstufen beinhaltet.

Die Vorstellung, dass sich die menschliche Entwicklung in linearer Weise vollzieht, wird dabei ausgeschlossen. Unser waldorfpädagogischer Erziehungsansatz für Krippen – und Kindergartenkinder richtet seine Konzentration auf die Tatsache, dass das Kind als ein Sinneswesen nachahmend Verbindung zu seiner Umwelt aufnimmt, und berücksichtigt die Organ – und Wachstumsbildung in den ersten Lebensjahren. In einem von den PädagogInnen gestalteten Lebensumfeld werden die Kinder nach anthroposophischem Verständnis entwicklungs- und altersgerecht gefördert.

Ein sich wiederholender, ritualisierter Tages –, Wochen – und Jahresablauf bietet den Kindern einerseits Verlässlichkeit und Orientierung, andererseits einen großen Entfaltungsraum, in dem sie die Möglichkeit haben, an den sie betreffenden Lebenszusammenhängen teilzuhaben, mitzuwirken, mitzugestalten und mitzuentscheiden.

Diese gelebte Partizipation zieht sich durch das gesamte Kindergartengeschehen: Die Kinder können beispielsweise selbstbestimmt ihre Spielmaterialien oder Spielsituationen ergreifen. Sie werden in hauswirtschaftliche Tätigkeiten einbezogen und können mitgestalten. Sie entscheiden, welche Entwicklungsschritte gegangen werden und welche Anregungen nachgeahmt werden. In einem für sie sinnlich gestalteten Lebensraum und vorgegebenen Rahmen können sie sich frei bewegen und handeln, ihre Willensäußerungen, Wünsche und Vorstellungen werden ernst – und aufgenommen.

Letztlich ist auch jede Art von Interaktion zwischen Kind und Erwachsenen als Möglichkeit der Teilhabe und des Anteilnehmens, also der Partizipation zu verstehen, nämlich wie das Kind angesprochen und im sozialen Miteinander beteiligt wird, wobei jede kognitive Ansprache, jede intellektuelle Aufgabenstellung und jede überfordernde Befragung vermieden wird. Unsere PädagogInnen tragen eine hohe Verantwortung, indem sie die Umgebung der Kinder gut vorbereiten, so dass der Selbstbildungsprozess unterstützt wird. Dabei bringen sie ein hohes Maß an Bewußtsein für die wirklichen Bedürfnisse der Kinder und deren individuellen Entwicklungsstand ein.